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3 Tage in Valletta: Die kleinste Hauptstadt mit der groessten Geschichte

3 Tage in Valletta: Die kleinste Hauptstadt mit der groessten Geschichte

13. Juni 2026

Eine Hauptstadt fuer die Verteidigung gebaut, heute fuer Entdeckungen gemacht

Valletta wurde von den Rittern des Johanniterordens nach der osmanischen Belagerung von 1565 erbaut und 1571 fertiggestellt — damit ist es eine der fruehesten geplanten Staedte Europas. Jede Strasse verlaeuft im Raster, jedes Gebaeude erfuellt eine Funktion, und die Befestigungsanlagen, die die gesamte Halbinsel an drei Seiten umgeben, zeugen von einer Aera, als Malta das letzte christliche Bollwerk im zentralen Mittelmeer war. Heute macht dieselbe kompakte Groesse, die es einst verteidigungsfaehig machte, es zu einem aussergewoehnlichen Erlebnis zu Fuss: Die gesamte Stadt erstreckt sich ueber weniger als 0,8 Quadratkilometer, und jedes bedeutende Monument ist innerhalb eines 15-minuetigen Fusswegs von jedem anderen erreichbar.

Malta fliegt bei europaeischen Reisenden weitgehend unter dem Radar, obwohl es zu den zugaenglichsten Laendern der EU gehoert — Englisch ist Amtssprache, das Klima ist mediterran, und Billigfluege aus London, Rom und Frankfurt halten die Preise wettbewerbsfaehig. Ryanair-Tarife ab London Stansted zum Malta International Airport sinken regelmaessig unter 40 Pfund Hin und Rueck, und easyJet bedient aehnliche Strecken ab Gatwick und Luton.

Tag Eins: Das Erbe der Ritter

Man beginnt in der St.-Johannes-Konkathedrale, dem mit Abstand aussergewoehnlichsten Innenraum Maltas. Erbaut zwischen 1573 und 1578, gibt das Aeussere der Kathedrale kaum einen Hinweis auf das, was im Inneren wartet: ein ueberwaaltigender barocker Innenraum, dessen gesamter Boden mit Marmorgrabsteinen der Ritter bedeckt ist, die Decke mit Gold ueberzogen, und Caravaggios bedeutendstes erhaltenes Meisterwerk — Die Enthauptung Johannes des Taeufers — haengt im Oratorium. Caravaggio lebte 1607 kurz auf Malta (nachdem er aus Rom wegen einer toedlich verlaufenen Strassenpruegelei geflohen war) und malte waehrend seines Aufenthalts mehrere Werke. Die Enthauptung ist die groesste Leinwand, die er je vollendet hat, und das einzige Werk, das er signierte — im gemalten Blut Johannes des Taeufers. Der Eintritt kostet 15 Euro und schliesst das Oratorium ein.

Das prachtvolle barocke Kirchenschiff der St.-Johannes-Konkathedrale in Valletta

Nach der Kathedrale laeuft man die Republic Street entlang — die Hauptachse Vallettas — zum Grossmeisterpalast. Der Palast diente als Sitz der Johanniterritter und spaeter als Residenz des britischen Gouverneurs waehrend der Kolonialzeit. Die Prunkraeume und die Ruestkammer (eine der vollstaendigsten Sammlungen mittelalterlicher und Renaissance-Waffen in Europa) sind oeffentlich zugaenglich. Der Innenhof des Palastes mit Orangenbaeumen und schattigen Arkaden bietet einen ruhigen Kontrast zur belebten Strasse draussen.

Mittagessen in einem der Restaurants an der Merchant Street — parallel zur Republic Street und etwas weniger touristisch. Pastizzi (blaetterteigige Teigtaschen mit Ricotta oder Erbsenpueree) kosten an den zahlreichen Kiosken 0,50-1,00 Euro pro Stueck und sind das praerende maltesische Streetfood. Ein vollstaendiges Mittagessen kostet 15-25 Euro pro Person in einem Restaurant mit Sitzgelegenheit.

Am Nachmittag geht man zu den Upper Barrakka Gardens an der suedwestlichen Spitze der Halbinsel. Die Gaerten liegen auf den alten Festungsmauern und bieten den beruehmtesten Ausblick Maltas: Die Drei Staedte (Vittoriosa, Cospicua, Senglea) jenseits des Grand Harbour, mit dem Wasser dazwischen belebt von Luzzu-Fischerbooten und gelegentlichen Superjachten. Die Saluting Battery unterhalb der Gaerten feuert taeglich um 12 Uhr und um 16 Uhr eine Kanone ab.

Tag Zwei: Die Drei Staedte und der Hafen

Man nimmt die Faehre vom Valletta Waterfront ueber den Grand Harbour zu den Drei Staedten — einem Cluster aus drei befestigten mittelalterlichen Staedten, die aelter sind als Valletta selbst. Die Faehre kostet 1,50 Euro und die Ueberfahrt dauert etwa 10 Minuten; es ist eine der landschaftlich schoensten kurzen Bootsfahrten im Mittelmeer.

Vittoriosa (auch Birgu genannt) ist die vollstaendigste der drei Staedte. Man wandert durch enge Gassen — enger als jede Strasse in Valletta — am Inquisitorenpalast vorbei (die einzige erhaltene Inquisitoren-Residenz, die weltweit oeffentlich zugaenglich ist) und am Maritimen Museum, das im alten Marinebaekereigebaeude untergebracht ist und Maltas aussergewoehnliche Seefahrtsgeschichte nachzeichnet.

Der Grand Harbour in Valletta vom Upper Barrakka Gardens aus gesehen

Das Fort St. Angelo an der Spitze der Vittoriosa-Halbinsel war das Hauptquartier der Ritter und die Basis, von der aus sie der osmanischen Belagerung standhielten. Die Befestigungsanlagen sind gewaltig und ihre Restaurierung ist im Gange, aber die Ausblicke von den Zinnen zurueck ueber den Hafen zur Skyline Vallettas — alles honigfarbener Kalkstein im Abendlicht — gehoeren zu den schoensten auf Malta.

Zurueck in Valletta am spaeten Nachmittag laeuft man zum Fort St. Elmo an der Spitze der Valletta-Halbinsel. Das Kriegsmuseum des Forts, das sich auf den Zweiten Weltkrieg konzentriert, als Malta eine der laengsten Bombardierungen der Geschichte erduldete, ist ueberraschend bewegend. Maltas George Cross — kollektiv der gesamten Insel von Koenig George VI. im Jahr 1942 verliehen — ist hier ausgestellt. Malta stand waehrend der Belagerung kurz vor dem Verhungern, und die stillen Details der Ausstellung (die Rationierungslisten, die Bombenschadenfotos, die Zeugenaussagen der Ueberlebenden) machen es zum ergreifendsten Kriegsmuseum-Erlebnis im zentralen Mittelmeer.

Tag Drei: Mdina und die Insel dahinter

Der dritte Tag verlangt nach einem Ausflug aus Valletta ins Landesinnere Maltas. Mdina, die ehemalige Hauptstadt (auch die Stille Stadt genannt), liegt auf einem Huegel im Zentrum der Insel und sieht aus wie im 16. Jahrhundert — eine ummauerte mittelalterliche Stadt mit etwa 300 staendigen Bewohnern, ohne Autos und mit Steinstrassen, die selbst Schritte daempfen. Die Kathedrale des Heiligen Paulus dominiert das Zentrum, und die Ausblicke von den Stadtmauern ueber die maltesische Landschaft — die sich im Winter gruen und im Sommer golden bis zum Meer erstreckt — sind aussergewoehnlich.

Man verbindet Mdina mit Rabat, der Stadt direkt vor den Stadttoren, die die Katakomben des Heiligen Paulus und der Heiligen Agatha beherbergt — fruehchristliche Grabkammern aus dem 3. bis 5. Jahrhundert, direkt in den Kalksteinfels gehauen. Der Eintritt fuer den Hauptkomplex betraegt 5 Euro.

Busfahren in Malta ist guenstig (2 Euro fuer ein Zwei-Stunden-Ticket) und verbindet Valletta mit Mdina in etwa 45 Minuten. Zurueck in Valletta zum Abendessen in einem der Restaurants an der Strait Street — einst Maltas beruechttigtes Rotlichtviertel fuer britische Matrosen, heute eine Reihe von Restaurants und Bars in schmalen Stadthaeusern, die abends ihre Fensterlaeden zur Gasse hin oeffnen.

Die ummauerte mittelalterliche Stadt Mdina zur goldenen Stunde

Praktische Informationen

Vallettas touristische Hauptsaison erstreckt sich von April bis Oktober, wobei der August der heisseste (ueber 35 Grad Celsius) und teuerste Monat ist. Die besten Wetterfenster sind April-Mai und Oktober, wenn die Temperaturen bei 22-26 Grad Celsius liegen und das Meer warm genug zum Schwimmen ist. Dezember bis Februar ist nach nordeuropaeischen Masstaeben mild (15-18 Grad Celsius) und ruhig, mit deutlich niedrigeren Unterkunftspreisen — Budget-Hotels kosten 50-80 Euro pro Nacht im Vergleich zu 90-150 Euro im Sommer.

Innerhalb Vallettas braucht man nichts ausser die eigenen Fuesse; die Stadt ist so kompakt, dass ein Taxi oder Bus fuer jede innerstaeadtische Strecke absurd waere. Fuer Tagesausfluege ist das oeffentliche Busnetz umfassend und guenstig. Die Insel ist klein genug, dass jeder Punkt von Valletta aus in unter einer Stunde per Bus erreichbar ist.

Maltas Kueche ist ein wenig erkundetes Vergnuegen: eine Mischung aus sizilianischen, nordafrikanischen und nahoeestlichen Einfluessen, gefiltert durch Jahrhunderte des Seehandels. Kaninchen (gefuellt oder in Wein geschmort), Pferdefleischwurst und frischer Mittelmeerfisch dominieren die traditionellen Speisekarten. Kinnie, ein lokales bittersueseses Erfrischungsgetraenk aus Bitterorangen und aromatischen Kraeutern, ist als alkoholfreie Einfuehrung in maltesische Geschmacksprofile einen Versuch wert.

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